
Depression – eine Volkskrankheit! Sind Biomarker in Sicht?
Weltweit leiden ca. 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Sie gehört damit zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt.
Die Therapie der Depression besteht in der Regel aus der Gabe von Medikamenten mit teilweise unerwünschten Nebenwirkungen und einer Psychotherapie. Bis zu einem Drittel der Depressionspatienten sprechen nicht adäquat auf eine Behandlung mit einem Antidepressivum an. Für etwa 20 % der Betroffenen kann kein wirksames Antidepressivum gefunden werden (sogenannte Non-Responder).
Zur Beantwortung folgender Fragen ist die Forschung gefordert:
Gibt es Alternativen zu den bisher üblichen Medikamenten, eventuell aus dem Bereich der Naturmedizin oder der Nahrungsergänzungsmittel, welche weniger Nebenwirkungen hervorrufen? Könnten Kombinationen von Produkten zu einer besseren Wirksamkeit auch bei Non-Respondern führen? Können unterschiedliche Formen der Depression und die zugrunde liegenden Mechanismen früher diagnostiziert werden und gezielt darauf zugeschnittene Behandlungen zu einer schnelleren Symptomverbesserung führen?
Während sich Studien zur Wirksamkeit von Antidepressiva in der Vergangenheit nur auf Fragebogendaten stützen konnten, ist gerade in den letzten Jahren sehr viel Forschung zu Biomarkern für Depression betrieben worden, von der heutige Studien profitieren können. Auch gibt es wohl nicht DEN Biomarker für Depression und erste Studien mit Biomarker-Panels (mehrere Biomarker, die zusammen interpretiert werden) liefern vielversprechende Ergebnisse.
Es spricht einiges dafür, dass das, was wir heute ganz allgemein Depression nennen, in Wirklichkeit eine Vielzahl von verschiedenen Untertypen depressiver Störungen darstellt, für die jeweils unterschiedliche Biomarker identifiziert werden können. Hier wäre es nur logisch, anzunehmen, dass für die Behandlung dieser verschiedenen Untertypen auch unterschiedliche Medikamente notwendig sind. Genau das ist das Ziel der Präszisionsmedizin: Bisherige phänotypische Diagnosen sollen durch eine neue Taxonomie ersetzt werden, welche auf Endophänotypen basiert. Endophänotypen kombinieren spezifische Biomarker mit klinisch relevanten Messwerten. Ein vielversprechender Ansatz ist hier die neuropatternTM-Diagnostik, welche so genannte konzeptuelle Endophänotypen unterscheidet und darauf abgestimmte Behandlungen vorschlägt. Mit konzeptuellen Endophänotypen können beispielsweise schon jetzt verschiedene Erschöpfungszustände und Depressionssyndrome unterschieden und stratifiziert behandelt werden.
Wie wird es weitergehen? Sind Biomarker wie das von Papakostas et al. (2013) untersuchte Panel aus neun Serumbiomarkern (α1-Antitrypsin, Apolipoprotein CIII, BDNF, Cortisol, epidermaler Wachstumsfaktor, Myeloperoxidase, Prolaktin, Resistin und löslicher Tumornekrosefaktor-α Rezeptor Typ II) die Lösung? Ob sich diese Biomarker in der klinischen Praxis als brauchbar erweisen und einer personalisierten Behandlung dienlich sind, wird man erst in vielen Jahren wissen. Bis dahin ist es sinnvoll, ergänzend mit konzeptuellen Endophänotypen (neuropatternTM) zu arbeiten, welche eine Zuordnung derartiger Biomarker zu kausalen neurobiologischen Mechanismen erleichtern und so eine Art Kompassfunktion im Entwicklungsprozess haben.
